„Rektorin ist eine Aufgabe für Idealisten“

Angela Knapp über ihre ersten 100 Cheftage in der Max-Planck-Realschule, Konfliktmanagement und Klimastreiks

Angela Knapp leitet seit rund 100 Tagen die Max-Planck-Realschule, zuvor war sie elf Jahre lang Konrektorin. Über ihre neuen Aufgaben, das Konfliktmanagement an der MPR und die Schullandschaft in Bretten sprach Knapp mit den BNN-Redaktionsmitgliedern Julia Weller und Thilo Kampf.

Sie sind seit etwa 100 Tagen im Amt der Schulleitung und traten in große Fußstapfen. Wie haben Sie das empfunden?

Knapp: Ich habe es mir so gewünscht. Nach elf Jahren als Konrektorin an der MPR kannte ich die Arbeit und wollte unbedingt dort bleiben. Ich habe an der Schulentwicklung und der Profilgestaltung mitgearbeitet und weiß, dass es eine sehr leistungsstarke Schule ist. Der bilinguale Zug fördert sprachlich interessierte Schüler und das musisch-kreative Profil mit der Bläserklasse entspricht meiner Fächerkombination. Die Zusammenarbeit mit den Lehrkräften und die angenehme Lern- und Arbeitsatmosphäre schätze ich sehr. Ich war auch mal an die Realschule in Philippsburg teilabgeordnet, da dort Fachmangel bestand, aber Bretten war immer meine Wunschschule. Das Umfeld hier stimmt: Die Eltern sind in Ordnung, die Schülerschaft ist gut und der Schulträger unterstützt einen sehr.

An der Max-Planck-Realschule war neben der Bildungsvermittlung auch immer das Konfliktmanagement ein Schwerpunkt – was ist das Ihr Ansatz?

Knapp: Wir haben ein Konflikmanagement-Konzept, das heißt, man regelt Konflikte auf der untersten Ebene. Also mit den Personen, zwischen denen eine Meinungsverschiedenheit besteht. Erst, wenn es wischen den beiden nicht mehr möglich ist, holt man einen Dritten dazu, zum Beispiel den Klassenlehrer, den Beratungslehrer oder die Schulsozialarbeiterin. Und erst danach wird, wenn nötig, die Schullleitung miteinbezogen. Wenn Eltern bei mir ein Problem ansprechen, gebe ich das zunächst direkt an die jeweilige Ebene zurück.

Wie lange sind Sie schon im Schuldienst und wie hat es sich in dieser Zeit entwickelt?

Knapp: Seit fast 20 Jahren. Ich habe in Freiburg und Brüssel studiert, war also in der Welt unterwegs. Ich war im Regierungspräsidium und habe verschiedene Berufszweige kennengelernt. Es gibt heit ein vielfältigeres Bildungsangebot als früher, zum Beispiel mehr Schultypen. Auch das Angebot in Bretten finde ich gut, jeder kann für den eigenen Lerntyp die richtige Schule auswählen.

Gibt es an der Max-Planck-Realschule auch die Möglichkeit, sich auf dem niedrigeren G-Niveau unterrichten zu lassen und dann den Hauptschulabschluss abzulegen?

Knapp: In der Orientierungsstufe, also in den Klassen fünf und sechs, wird ausschließlich auf M-Niveau bewertet. Nach der sechsten Klasse entscheidet sich dann, ob jemand versetzt wird oder nicht. Wenn keine Versetzung in das M-Niveau der siebten Klasse erfolgt, kann der Schüler entweder die sechste Klasse wiederholen oder auf G-Niveau ins nächste Schuljahr aufrücken. Das gibt es natürlich, wenn die Eltern es wünschen, es kommt immer auf den Einzelfall an. Die Realschule führt aber vorrangig auf dem M-Niveau zum mittleren Bildungsabschluss. Man kommt an die MPR nicht um mal auszuprobieren, sondern mit dem klaren Ziel, den von der Industrie und Wirtschaft anerkannten Realschulabschluss nach sechs Jahren abzulegen. Die Realschule bereitet die Schüler auf einen gelingenden Übergang in die Berufswelt bzw. das Berufliche Gymnasium vor.

Zwei Drittel der bnn.de-Leser hielten das in einer Umfrage für keine gute Idee. Treiben die unterschiedlichen Niveaus keine Schere zwischen die Schüler?

Knapp: Wir arbeiten binnendifferenziert im Klassenverband: Die Schüler auf G-Niveau bekommen nach einer allgemeinen Einführung ins Thema andere Arbeiten. Ich sehe das neutral. Es gibt Schüler, denen tut es besser, eine Klasse zu wiederholen und sich dann auch anzustrengen. Andere profitieren vielleicht davon, wenn sie mit den Freunden in der gleichen Klasse und im gleichen Schulhaus bleiben können. Die Möglichkeit der Schulfremdenprüfung zum Hauptschulabschluss hat es immer schon gegeben, nur dass sie jetzt eben im Haus stattfindet.

Beim Infonachmittag hatten sie neulich ein volles Haus. Erkennen Sie einen Trend zum Besuch der Realschule oder legen die Eltern nach wie vor großen Wert auf einnen Gymnasialbesuch?

Knapp: Ich empfehle den Eltern immer, sich an die schriftliche Empfehlung der Grundschule zu halten. Sie wird von ausgebildeten Lehrern abgegeben, die die Anforderungen der Schularten und das Leistungsniveau der Schüler einschätzen können. In Bretten erkenne ich keinen Trend, dass alle Eltern ihre Kinder unbedingt aufs Gymnasium schicken müssen. Im Gegenteil: 20 bis 30 Prozent unserer Fünftklässler haben eine Gymnasialempfehlung.

Anderes Thema: Gibt es auch bei Ihnen Schüler, die freitags in den Klimastreik treten? Wenn ja, müssen die Schüler nachsitzen?

Knapp: Bisher sind mir keine Streiks an der MPR bekannt. Es besteht natürlich Schulpflicht und Schüler müssten de verpassten Stoff schon nacharbeiten. Vor allem ist mir aber wichtig, dass man den Hintergrund kennt, wenn man sich für etwas einsetzt, damit meine ich, dass man Nachhaltigkeit und Klimaschutz sowie das umweltpolitische Engagement der Schüler im Unterricht aufgreift und vertieft.

Wie ist eigentlich der Job als Rektorin einer Realschule?

Knapp: Es ist eine Aufgabe für Idealisten. Ein halbes Jahr lang die Schule alleine zu leiten, war anstrengend. Man ist immer Ansprechpartner für alles.

Was tun Sie, wenn Sie gerade mal nicht Schulleiterin sind?

Knapp: Privat spiele ich gerne Oboe oder gehe auf Reisen. Andere Kulturen kennenzulernen, macht mir viel Spaß. Ich war unter anderem schon in Afrika, Alaska, Peru und Bolivien. Mein nächstes Traumziel wäre Asien.

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