Nov 14 2012

Wenn der Berg ruft

Schüler der Max-Planck-Realschule erproben in Österreich Seilschaft für den Schulalltag

BRETTEN. 3. Oktober 2012, 6:45 Uhr: müde reiben sich die sechs Schüler der Max-Planck-Realschule (MPR) die Augen am Bahnhof Bretten: Zusammen mit der Schulsozialarbeiterin Marien Wolf und dem Lehrer Wolfgang Dresler starten die Schüler auf einen Ausflug der etwas anderen Art: Mit der Bahn in die Lechtaler Alpen und zu Fuß bis auf 2300 m über dem Meer. Bei dieser bisher einmaligen Aktion außerhalb der Schulzeit trainieren Anisa, Jana, Nico, Pascal, Sebastian und Sidney in der faszinierenden Bergwelt Österreichs Teamgeist und Kondition und lernen Verantwortung zu übernehmen.

Die ersten 1000 Höhenmeter führt die Gruppe von Dalaas im Klostertal durch die schon herbstlich wirkenden Wälder bis an die Baumgrenze. Ein Stück darüber liegt malerisch über dem Formarinsee die Freiburger Hütte, die die Jugendlichen erschöpft erreichen.

Tag 2: Der Rucksack zieht, die Stiefel drücken und die Beine sind noch schwer vom Vortag, doch der Freiburger Höhenweg soll sie zur Göppinger Hütte auf 2245 m Höhe führen. Für Sebastian bieten diese Tage eine ganz neue Erfahrung: „Auf dem Tripp erleben wir unsere Schulsozialarbeiterin und unseren Lehrer einmal anders, nicht an der Tafel oder in der Gesprächsrunde, sondern am selben Tisch und am selben Seil!“ Leichter Anstieg, weiter Blick über Lech bis zum Arlbergpass, zerzauste Latschenkiefern und Kalksteinstufen, die durch Stahlseil gesichert sind, an dem sich alle halten müssen, dann ein steiles Geröllfeld und kaum sichtbare Wegmarkierungen. Ein Anstieg, fast in den Himmel! Immer wieder stehen die Schüler vor Situationen, die sie an ihre persönlichen, konditionellen und sozialen Grenzen heranführen. Aber von der Hütte ist noch nichts zu erkennen. „Noch um diese eine Ecke, dann habe wir es geschafft.“ So klingt die aufmunternde Stimme des Lehrers. Doch weit gefehlt. Ein unwirklich mondartiger Talkessel, die Johanneswanne, muss noch gequert werden. Lange im Voraus ist die schmale Spur des Weges am Hang entlang und dann steil aufwärts auszumachen. Der Himmel wird genauso schwarz wie die Motivation bei einigen. Marlen Wolf, Sozialarbeiterin an der MPR, muss ganz schön antreiben, damit sich alle in Bewegung setzen. Da, tatsächlich, hinter der Ecke taucht die Göppinger Hütte auf. Zwar noch nicht zum Greifen nahe, doch in erreichbarer Entfernung. Die Gruppe mobilisiert die letzten Kräfte in Erwartung auf ein gutes Abendessen. Auch dieses Mal werden sie nicht enttäuscht und herzlich aufgenommen. Die Nacht ist laut vom Regen auf dem Blechdach und dem Sturm, der um die Hütte pfeift. Aber am Morgen ist davon nichts zu sehen und beim Frühstück geht die Sonne auf. Der Abstieg nach Wald am Vorarlberg fordert die letzten Reserven. Doch Sidney fragt schon: „An den nächsten Feiertagen machen wir das wieder! – Wer kommt mit?“

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