KI an der MPR: Chancen und Risiken im Fokus
Bretten. Künstliche Intelligenz (KI) hält Einzug in deutsche Klassenzimmer – auch an der Max-Planck-Realschule (MPR) in Bretten. Fachleute vom ZSL Karlsruhe (Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung) präsentierten dem 55 köpfigen Kollegium die Möglichkeiten und Herausforderungen, die KI im Schulkontext mit sich bringt. Die Fortbildung zeigte: KI kann den Unterricht revolutionieren, birgt aber auch Risiken, die bedacht werden müssen.
Vorteile: Personalisierung und Entlastung
KI-gestützte Lernplattformen ermöglichen es, Unterricht individuell auf die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler zuzuschneiden. Lernende können im eigenen Tempo arbeiten, während die Software gezielt passende Aufgaben und Erklärungen anbietet. Für Lehrkräfte bedeutet dies eine spürbare Entlastung: Routineaufgaben wie das Korrigieren von Tests oder das Erstellen von Lernstandsanalysen ließen sich beispielsweise über den Chatbot fAirChat automatisieren. So bliebe mehr Zeit für die individuelle Förderung.
Auch die Motivation der Schüler kann durch interaktive, KI-basierte Lernmethoden steigen. Virtuelle Lernumgebungen machen komplexe Themen anschaulich und fördern das eigenständige Entdecken. Zudem liefern KI-Systeme wertvolle Daten über Lernfortschritte, die Lehrkräfte gezielt für die Unterrichtsplanung nutzen können.
Nachteile: Abhängigkeit und Datenschutz
Doch der Einsatz von KI ist nicht ohne Schattenseiten. Kritisch sehen die Experten die Gefahr, dass Schülerinnen und Schüler zu sehr auf digitale Helfer vertrauen und dabei grundlegende Kompetenzen wie kritisches Denken oder Problemlösungsfähigkeit vernachlässigen. „Wenn KI-Tools Hausaufgaben oder Referate übernehmen, droht ein Verlust an Eigenständigkeit und Lerneffekt“, so einer der Referenten der 3-stündigen Fortbildung, Bernhard Richter-Hörlin.
Ein weiteres Problem sind mögliche Fehler oder Verzerrungen in den von KI generierten Inhalten. KI-Systeme könnten falsche Informationen liefern oder Vorurteile verstärken, wenn sie mit ungeeigneten Daten trainiert wurden. Der aktuelle US-amerikanische Präsident lässt grüßen. Lehrkräfte und Lernende müssen daher lernen, KI-Ergebnisse kritisch zu hinterfragen.
Nicht zuletzt ist der Datenschutz ein zentrales Thema: KI-Anwendungen sammeln und verarbeiten große Mengen sensibler Schülerdaten. „Schulen stehen in der Verantwortung, diese Daten sicher zu speichern und Missbrauch zu verhindern“, ermahnt Stephan Andre Kluge. Nicht zu unterschätzen ist der enorme Energieaufwand, der benötigt wird, um beispielsweise KI generierte Mails zu verfassen. Auch gilt es hier, alle Beteiligten dafür zu sensibilisieren, verantwortungsvoll mit den Ressourcen umzugehen.
Herausforderungen für Schulen
Die Einführung von KI in der Schule ist oft mit hohen Kosten verbunden – für die Anschaffung der Technik ebenso wie für die notwendige Fortbildung des Kollegiums. Lehrkräfte müssen geschult werden, um KI sinnvoll und verantwortungsvoll einzusetzen. Auch die technische Infrastruktur muss stimmen, damit KI-gestütztes Lernen gelingt.
Entscheidend ist jedoch, dass KI nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung zum pädagogischen Handeln gesehen wird. „Die Lehrerinnen und Lehrer behalten die Verantwortung für die Gestaltung des Unterrichts, während KI als unterstützendes Werkzeug fungiert“, ist sich Wolfgang Schneider sicher.
Fazit
Künstliche Intelligenz kann die Schule verändern – zum Positiven, wenn sie mit Augenmaß, pädagogischem Sachverstand und unter Berücksichtigung ethischer Grundsätze eingesetzt wird. KI bietet große Chancen für die Schule der Zukunft – von der individuellen Förderung bis zur Entlastung der Lehrkräfte. Gleichzeitig dürfen Risiken wie Datenmissbrauch, Abhängigkeit von Technologie und der Verlust wichtiger Kompetenzen nicht unterschätzt werden. Die MPR Bretten will die Potenziale der KI nutzen, zum Wohle der Schüler, aber auch der Lehrkräfte und setzt dabei auf einen verantwortungsvollen und reflektierten Umgang. Die Schulleiterin Angela Knapp beendete die für alle Lehrkräfte gewinnbringende Veranstaltung mit dem Satz „Die Zukunft des Lernens ist digital – aber sie braucht den Menschen mehr denn je.“